FAQs
Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zur Drohnensaat – praxisnah und ehrlich.
Was ist Drohnensaat überhaupt?
Die Drohnensaat ist ein Verfahren, bei dem Saatgut aus der Luft in den Bestand eingebracht wird. Sie wird vor allem für Zwischenfrüchte und Untersaaten eingesetzt und ergänzt die klassische Landtechnik dort, wo bodengebundene Verfahren an ihre Grenzen kommen.
Wann macht Drohnensaat wirklich Sinn?
Drohnensaat ist besonders sinnvoll:
- bei feuchten Böden und Verdichtungsgefahr
- bei hohen oder dichten Beständen
- wenn Fahrgassen fehlen oder ungeeignet sind
- bei sehr kurzen Zeitfenstern
- wenn zusätzliche Überfahrten vermieden werden sollen
Entscheidend ist immer, ob die Drohne in der jeweiligen Situation das bessere Werkzeug ist.
Wann macht Drohnensaat keinen Sinn?
Die Drohne ist weniger geeignet:
- wenn ein sicherer Bodenschluss zwingend erforderlich ist
- bei sehr trockenen Bedingungen ohne Niederschlag
- bei Kulturen mit definierter Ablagetiefe (z. B. klassische Getreideaussaat)
- bei sehr späten Saatterminen nach der Ernte ohne weitere Maßnahmen
Warum verteilt die Drohne das Saatgut anders als ein Schleuderstreuer?
Beim Schleuderstreuer wird durch die enorme Wurfweite das Saatgut überwiegend horizontal verteilt und trifft auf Pflanzen, wo es abgelenkt wird.
Bei der Drohne fällt das Saatgut eher von oben nahezu vertikal in den Bestand. Dadurch erreicht es den Boden auch bei höheren oder dichteren Kulturen deutlich besser und wird gleichmäßiger verteilt.
Funktioniert das auch bei hohem Bestand wie Mais oder Getreide?
Ja, genau hier spielt die Drohne ihre Stärke aus.
Durch die vertikale Ausbringung gelangt das Saatgut auch bei fortgeschrittenem Pflanzenbestand zuverlässig bis zum Boden – deutlich besser als bei bodengebundener Streutechnik.
Wie ist das mit dem Bodenschluss?
Der Bodenschluss ist bei der Drohnensaat geringer als bei einer Drillsaat.
Die Etablierung hängt daher stärker von:
- vorhandener Feuchtigkeit
- Witterung
- und Bestandesbedingungen
ab. Unter passenden Bedingungen funktioniert die Etablierung jedoch zuverlässig.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Drohnensaat?
Die Drohnensaat ist flexibel einsetzbar.
Sie kann:
- als frühe Untersaat
- oder später in bereits etablierte bzw. abreifende Bestände
eingesetzt werden.
Der optimale Zeitpunkt hängt immer von Kultur, Boden und Ziel der Maßnahme ab.
Ist eine frühe Untersaat sinnvoll?
Das kann sinnvoll sein, ist aber stark abhängig von der Situation.
Vorteile:
- Nutzung vorhandener Feuchtigkeit
- früher Start der Zwischenfrucht
Risiken:
- Konkurrenz zur Hauptkultur
- besonders bei hohem Stickstoffangebot
Spielt der Reihenabstand der Hauptkultur eine Rolle?
Ja, ein entscheidender Faktor bei früher Untersaat.
- enge Bestände (z. B. Getreide) erschweren die Etablierung
- breitere Reihen (z. B. Mais oder teilweise Raps) bieten bessere Bedingungen
Frühe Untersaaten funktionieren in offenen Beständen deutlich einfacher.
Warum ist Drohnensaat teurer als ein Schleuderstreuer?
Der reine Preis pro Hektar ist höher.
Allerdings ersetzt die Drohnensaat oft mehrere Arbeitsschritte wie:
- Bodenbearbeitung
- zusätzliche Überfahrten
- nachträgliche Aussaat
Deshalb sollte immer das Gesamtsystem betrachtet werden.
Wann rechnet sich Drohnensaat wirtschaftlich?
Die Drohnensaat rechnet sich besonders dann, wenn:
- mehrere Arbeitsgänge eingespart werden
- Arbeitsspitzen reduziert werden
- Bodenverdichtung vermieden wird
- Zeitfenster optimal genutzt werden können
Der Vorteil liegt weniger im Einzelpreis, sondern in der Gesamteffizienz.
Kann ich mit Drohnensaat Arbeitsspitzen reduzieren?
Ja, und das ist einer der größten Vorteile.
Ein Teil der Flächen kann bereits vor oder während der Abreife der Hauptkultur eingesät werden. Dadurch müssen nach der Ernte weniger Flächen in kurzer Zeit bearbeitet werden.
Das reduziert:
- Zeitdruck
- Maschinenbelastung
- und organisatorischen Aufwand
Kann ich mit der Drohne jede Kultur aussäen?
Nein.
Die Drohne eignet sich vor allem für:
- Zwischenfrüchte
- Untersaaten
Kulturen, die eine definierte Ablagetiefe benötigen (z. B. Weizen), müssen weiterhin mit klassischer Technik gesät werden.
Wann würdet ihr von Drohnensaat abraten?
Wenn die Bedingungen nicht passen.
Zum Beispiel:
- bei Trockenheit ohne Niederschlag
- wenn eine exakte Saatgutablage notwendig ist
- wenn die klassische Technik klar im Vorteil ist
Unser Anspruch ist es, ehrlich zu bewerten, wann Drohnensaat sinnvoll ist – und wann nicht.
Was ist euer Ansatz bei der Drohnensaat?
Wir sehen die Drohne als Teil eines Gesamtsystems.
Das bedeutet:
Wir empfehlen die Drohnensaat nur dann, wenn sie im jeweiligen Betrieb einen echten Vorteil bringt – sei es durch bessere Etablierung, weniger Aufwand oder geringere Belastung für den Boden.
Unser Ziel ist nicht, Technik zu ersetzen – sondern sie sinnvoll zu ergänzen.
Welche Flächenleistung erreicht ihr pro Stunde?
Die Flächenleistung hängt stark ab von:
- Schlaggröße und Form
- Saatgutmenge
- und den Windverhältnissen
Bei klassischen Zwischenfrüchten erreichen wir mit zwei Drohnen unter guten Bedingungen ca. 20-25 Hektar pro Stunde.
Könnt ihr auch nachts fliegen?
Ja, grundsätzlich ist das möglich.
Wir verfügen über eine entsprechende Fluggenehmigung, die auch Einsätze in der Nacht erlaubt. Ebenso dürfen wir außerhalb der direkten Sichtweite fliegen.
Nachts herrschen oft ruhigere Windverhältnisse, was die Ausbringung sogar verbessern kann.
Wichtig ist jedoch:
Der Einsatz in der Nacht erfordert eine sorgfältige Vorbereitung.
Mögliche Hindernisse wie:
- Bäume, besonders die kleinen Äste
- Stromleitungen
- oder andere Strukturen
müssen vorher erfasst werden.
Dazu führen wir bei Bedarf am Tag ein Scouting der Flächen durch. Mit einer kleineren Drohne und RTK-Technik werden Hindernisse aufgenommen und in der Planung berücksichtigt, sodass diese später sicher umflogen werden können.
Die große Agrardrohne verfügt zwar über Radar- und Sensorsysteme, ist jedoch zusätzlich auf optische Sensoren angewiesen, die bei Dunkelheit eingeschränkt arbeiten.
Deshalb gilt:
Nachtflüge sind möglich, aber nur mit entsprechender Vorbereitung und unter geeigneten Bedingungen.
Bis zu welcher Windstärke kann geflogen werden?
Das hängt stark vom Saatgut ab.
Grundsätzlich gilt:
- die Drohne darf technisch bis etwa 6 m/s fliegen
- je leichter das Saatgut, desto empfindlicher ist es gegenüber Wind
Bei schwerem Saatgut kann dieser Bereich eher ausgereizt werden.
Bei leichtem Saatgut sollte deutlich vorsichtiger gearbeitet werden, um eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten.
In solchen Fällen kann angepasst werden:
- niedrigere Flughöhe
- geringere Arbeitsbreite
Das reduziert die Verdriftung, erhöht aber den Zeitaufwand.
Was kostet die Drohnensaat?
Die Kosten hängen von mehreren Faktoren ab, z. B.:
- Fläche und Schlaggröße
- Saatgutmenge
- Entfernung und Logistik
- Einsatzart (Zwischenfrucht, Untersaat, Sonderanwendung)
Als Orientierung:
Die Preise beginnen bei besonders großen Flächen bei ca. 45 € pro Hektar.
Eine genaue Kalkulation erfolgt immer individuell, da sich die Anforderungen von Betrieb zu Betrieb deutlich unterscheiden.
Bietet ihr auch Düngung mit der Drohne an?
Ja, wir bieten auch die Ausbringung von Dünger mit der Drohne an.
Sinnvoll ist der Einsatz vor allem bei geringen Aufwandmengen und frühen Zeitpunkten, zum Beispiel:
- im Frühjahr bei Raps
- wenn die Flächen noch nicht befahrbar sind
- bei gezielten Ergänzungsgaben
Ein typisches Beispiel ist eine frühe Stickstoffgabe im Raps von etwa 30 kg pro Hektar.
Gerade in dieser Phase kann die Pflanze den Dünger sehr gut nutzen, während eine Ausbringung mit dem Traktor oft noch nicht möglich ist.
In diesem Bereich ist die Drohne sowohl fachlich als auch wirtschaftlich sinnvoll.
Wichtig ist jedoch:
Mit steigender Aufwandmenge sinkt die Wirtschaftlichkeit deutlich.
Ab etwa 35 kg pro Hektar wird die Ausbringung mit der Drohne in der Regel nicht mehr wirtschaftlich und klassische Technik ist im Vorteil.
Eignet sich die Drohne für Flüssig- oder Blattdünger?
Ja, gerade im Bereich Flüssig- und Blattdünger hat die Drohne klare Vorteile.
Wir arbeiten mit sogenannten Atomizern, wodurch die Tröpfchengröße sehr flexibel eingestellt werden kann – von etwa 50 bis 500 Mikron.
Zum Vergleich:
- klassische Feldspritzen arbeiten meist im Bereich von etwa 200 Mikron
Durch die feinere Einstellung ergeben sich mehrere Vorteile:
- bessere Verteilung im Bestand
- gleichmäßige Benetzung der Blattflächen
- bessere Erreichbarkeit auch tieferer Pflanzenbereiche
Zusätzlich sorgt die Luftverwirbelung der Rotoren dafür, dass die Tropfen aktiv in den Bestand eingetragen werden und die Blätter von beiden Seiten benetzen.
Das ermöglicht eine sehr effiziente Aufnahme durch die Pflanze.
Ist auch gezielte Spotdüngung möglich?
Ja, und genau hier liegt eine große Stärke der Drohne.
Wenn beispielsweise auf einem großen Schlag (z. B. 100–200 Hektar) nur ein bestimmter Bereich unterversorgt ist – etwa quer zur Fahrgasse in der Mitte – kann eine gezielte Nachdüngung sinnvoll sein.
Mit klassischer Technik müsste der gesamte Schlag über die Fahrgassen bearbeitet werden.
Die Drohne kann hingegen gezielt nur die betroffenen Bereiche anfliegen. Auf wunsch erstellen wir ihnen vorab mit unserer Multispektral-Drohne eine genaue Applikationskarte.
Als grobe Orientierung:
Die Ausbringungskosten liegen bei etwa 2 € pro Kilogramm Dünger
In solchen Fällen kann sich die Drohne trotz höherer Kosten pro Einheit wirtschaftlich rechnen, da unnötige Überfahrten entfallen.
Welche Dünger können ausgebracht werden?
Wir können sowohl festen Dünger in geeigneter Körnung als auch Flüssigdünger ausbringen.
Festdünger:
granulierter Dünger (z. B. in Kugelform)
Flüssigdünger:
alle gängigen Flüssig- und Blattdünger
auch Mikronährstoffe
Wichtig ist:
Flüssige Produkte müssen frei von Schwebstoffen sein, damit sie sauber verarbeitet werden können.
Eignet sich die Drohne für Mikronährstoffe?
Ja, insbesondere für Mikronährstoffe und Blattdünger ist die Drohne sehr gut geeignet.
Durch die feine Ausbringung und gute Verteilung im Bestand können die Nährstoffe effizient von der Pflanze aufgenommen werden.
Was ist mit Mikroorganismen?
Der Einsatz von Mikroorganismen ist aktuell nur eingeschränkt sinnvoll.
Flüssige Anwendungen sind aufgrund der benötigten Wassermengen in der Regel nicht wirtschaftlich.
Es gibt Ansätze mit festen Trägermaterialien (z. B. Granulate), diese befinden sich jedoch noch in der Entwicklung und werden derzeit nicht standardmäßig eingesetzt.
Wie sieht es mit Pflanzenschutzmitteln wie Fungiziden aus?
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft ist in Deutschland aktuell grundsätzlich nicht zulässig.
Das bedeutet:
Anwendungen wie Fungizide dürfen derzeit nicht mit der Drohne ausgebracht werden.
In anderen europäischen Ländern ist man in diesem Bereich teilweise bereits weiter, und es gibt dort erste praktische Anwendungen.
Technisch bietet die Drohne hier deutliche Vorteile:
- sehr feine und einstellbare Tröpfchengrößen
- gleichmäßige Verteilung im Bestand
- gute Benetzung auch schwer erreichbarer Bereiche
Gerade bei fortgeschrittenem Pflanzenbestand könnten sich daraus künftig interessante Möglichkeiten ergeben.
Wir verfolgen die Entwicklungen in diesem Bereich aktiv und arbeiten daran, solche Anwendungen perspektivisch anbieten zu können – sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen dies erlauben.
Ist die Drohnensaat ein Ersatz für den Traktor?
Nein. Die Drohne ersetzt keine klassische Saattechnik.
Sie ist eine Ergänzung und wird gezielt dort eingesetzt, wo der Traktor entweder nicht sinnvoll arbeiten kann oder nur mit deutlich höherem Aufwand.
